27 Schiedsrichter/innen pfeifen aktuell für die Handballabteilung des TVE!
Acht Jahre hat es gedauert, bis das erste Ziel erreicht wurde. Der TVE zahlt keine Verbandsstrafen mehr wegen fehlender Schiedsrichter*innen (SR)!
Aber nun im Detail: Als ich damals gefragt wurde, ob ich mir vorstellen könne, nicht nur für den TVE zu pfeifen, sondern auch die Aufgabe des SR-wartes zu übernehmen, stellte die Abteilung gerade mal vier SR. Eigentlich alle Voraussetzungen, um dankend abzulehnen. Aber da zwei der vier SR, namentlich Sven Reidegeld und Reinhard Bertels sofort bereit waren, gemeinsam das SR-Wesen der Abteilung nach vorne zu bringen, habe ich zugesagt. In den ersten Jahren war ausschließlich „Klinken putzen“ angesagt. Wir haben Werbung in allen Mannschaften ab der C-Jugend gemacht. Einen SR-Schein darf man nämlich schon ab 14 Jahren machen. Die erste Zeit war sehr frustrierend. Lediglich Sven, der damals auch Trainer der weiblichen C-Jugend war und meine Wenigkeit als Trainer der männlichen C2 konnten in unseren Mannschaften Erfolge verbuchen. Leider blieben aus unterschiedlichen Gründen nicht alle dabei. Aber wer nicht anfängt und kontinuierlich weitermacht, der hat schon verloren. Folglich ging es Jahr für Jahr auf neue Suche.
Aber besonders junge SR benötigen zumindest zu Beginn ihrer Laufbahn aktive Hilfe. Zum einen ist hier Reinhard zu nennen, der sehr oft unterstützend bei Spielen anwesend war und ist. Zum anderen haben wir von Anfang an eine Zusammenarbeit mit Falke Saerbeck gepflegt. Hier sind namentlich Lukas Krüler (pfeift mittlerweile im Gespann bis zur Regionalliga) und Roland Hagemann (seit Jahrzehnten SR) zu nennen, auf deren Mithilfe man ebenfalls zählen konnte.
Der Mangel an SR ist aber kein Problem, was ausschließlich den TVE betrifft. Fast jeder Handballverein auf Kreisebene hatte zu wenig SR. Die Situation hat sich mittlerweile im HK Münsterland deutlich verbessert. Der HK zählt ab der kommenden Saison fast 500 SR (Vergleich: Ostwestfalen / Lippe keine 100). Mittlerweile werden auch Spiele der D-Jugend und die Spiele in den untersten Seniorenklassen mit SR besetzt.
In den letzten Jahren ist die Akzeptanz für unsere Arbeit innerhalb der Handballabteilung stetig gewachsen. Mittlerweile sind es nicht mehr ausschließlich 14- oder 15-jährige, die SR geworden sind, sondern auch Erwachsene, die oft in jungen Jahren begonnen haben und immer noch viel Spaß in ihrer Funktion als SR haben. Dafür ist es sekundär, welche Spielklasse man pfeift. Spiel auf Kreisebene sind vielleicht nicht so spektakulär und herausfordernd. Dafür ist der Zeitaufwand hier geringer.
Jedes Jahr wird mindestens ein SR-Lehrgang vom Handballkreis Münsterland angeboten. Die letzten erfolgreichen Absolventen waren Hanna zur Mühlen, Tea Spielbrink, Claus Wissing, Mats Wähning, Mats Wissing. Da nur Ole Uenning nicht mehr pfeifen wird, hat die Abteilung mittlerweile 27 SR.
Bis zur letzten Saison gab es mit Sven Reidegeld nur einen SR, der auch noch aktiv im Seniorenbereich spielt. In dieser Saison wechseln die ersten SR aus den Junioren- in den Seniorenbereich. Während Jannik Ruthmann und Linus Osterholt in der kommenden Saison die Youngsters verstärken sollen, haben Ben Bröker und Jonas Rathmann entschieden, die eigene SR-Karriere vor die Karriere als Handballspieler zu stellen. Sie pfeifen in der kommenden Saison Oberliga Frauen und Verbandsliga Männer Spiele. Gleiches gilt für das Gespann Nico Huge Sive Huwe / Max Venker. Nico spielt ab September in der 3. Herrenmannschaft. Max setzt für den Handballkreis männliche A bis C-Jugendspiele an. Noch eine Klasse höher pfeift mittlerweile Abdulrahman Al Mahamid. Er bildet ein Gespann mit seinem älteren Bruder, der für Steinfurt pfeift. Ansetzungen über Kreisebene übernehmen auch die Gespanne Chris Bröker / Jürgen Uenning und Daniel Bremmer / Karl-Heinz Kröner. Aus dem Damenbereich gibt es leider immer noch keine Schiedsrichterinnen.
Einmal in der Saison lassen sich die SR gerne von der TVE Marketing GmbH einladen, um mal mit richtig guten SR in Kontakt zu kommen. Diese waren auch immer bereit, eine Gesprächsanfrage zu bejahen. Entweder findet ein Austausch ca. 30 Minuten nach dem Spiel in der Halle statt. Oder es wurde eine Videokonferenz vereinbart. Wenn es sich dann auch noch um ein Bundesligagespann aus dem Elitekader handelt, ist dieses umso bemerkenswerter. Man stelle sich vor, dass Fußballs-SR wie Herr Aytekin, Brych oder Zwayer bereit wären, ihre Zeit für Hobbyschiedsrichter*innen zu opfern. Eher unvorstellbar….
Trotzdem ruht sich die Abteilung nicht auf das erreichte aus. Auch in Zukunft werden SR gesucht. Es handelt sich auch nicht um ein reines Ehrenamt. Schließlich wird jedes Spiel mit mindestens 25 Euro pro SR zzgl. Kilometergeld ab der D-Jugend vergütet. Alle, die das 14. Lebensjahr vollendet haben, können an einem SR-Kurs teilnehmen. Man muss nicht aktives Mitglied im Verein sein, um zu pfeifen. Eine Mitgliedschaft, die dann für nicht aktive Handballer der Abteilung beitragsfrei wäre, ist aber allein aus versicherungstechnischen Gründen obligatorisch.
Bei Interesse weitere Fragen gerne an meine Person.
Wolfgang Brinkhaus - SR-Wart TVE
Telefon: +49 172 2091683
Von der Kreisliga in die Jugendbundesliga
Mohammed und Abdurahman Al Mahameid starten durch.
"Kommt ein Schiri? Mist wieder kein Schiri da! Wer kann jetzt pfeifen? Wen fragen wir?" Allwöchentliches Rätselraten vor immer mehr Handballspielen in Westfalen. Der Handballverband steuert dagegen mit der Kampagne "Ohne dich kein Spiel - Dein Pfiff für Fairness". Als "Models" für diese Kampagne wurden mit Mo(hammed) und Abdurahman (Abid) Al Mahameid aus dem Kreis Steinfurt ausgewählt.
Warum gerade die beiden? "Wir sind wohl irgendwie aufgefallen." schmunzelt Mo, mit 22 der ältere der beiden Brüder. Leicht übertrieben. Abid (18), er spielt aktuell auch noch in der A-Jugendregionalliga beim TV Emsdetten) begann mit 14 seine Schiedrichterkarriere beim TVE, pfiff erst mit einem anderen Partner und bildet seit der Saison 2022/23 ein Gespann mit seinem älteren Bruder, der für SGH Steinfurt pfeift.
Los ging es natürlich in der Kreisliga."Da hat man uns quasi entdeckt" erinnert sich Abid. "Danach ging es recht flott". Spiele unter der Regie des Handballverbandes Westfalen, zunächst in der Landesliga und Jugendoberliga, bald auch Verbands- und Frauen-Oberliga. Immer begleitet von den kritischen Augen von Markus Gödde (Beobachtungs und Coaching-Koordinator des Handballkreis Münsterland) wurden sie im Januar 2024 zum Sauerland-Cup in Menden geladen, einem der bestbesetzten Turniere für Jugendteams in ganz Deutschland. Und bekamen gleich ein Halbfinale der Mädchenkonkurrentz zugeteilt.
"Das waren wir wohl ganz gut und hat uns an höherer Stelle in den Fokus gebracht" so Mo.
Gleich darauf flatterte für Ostern 2024 eine Einladung zum Prague Handballcup herein, einem der größten internationalen Handball Hallenturniere für Jugendliche. Auch dort "erreichten" die beiden Steinfurter das Halbfinale. Abid: "Das war super, voll besetzte riesige Sporthalle, tolle Atmosphäre." Aber das Jahr sollte noch eine weitere Steigerung parat haben. Die kam im Sommer diesen Jahres: Mo und Abid wurden als eine der wenigen Schiedsrichtergespanne Westfalens für die Jugendbundesliga der männlichen B ausgewählt. "Das war eine Hammernachricht" erinnert sich Mo. Und gleich im September das erste Spiel GWD Minden gegen HC Bremen: "Das ist schon was ganz anderes. Da darfst du zum Beispiel nicht mal eine Minute zu früh oder zu spät anpfeigen, weil die Spiele im Livestream gezeigt werden."
Aber das Ende der Schiedsrichterkarriere soll das keineswegs sein: Unsisono kommt auf die Frage, was das nächste Ziel ist: "Wir wollen Jugendbundeslia A pfeifen. Und bei den Männern in die Oberliga." Bei dem Ehrgeiz und Tempo, das die beiden an den Tag legen (und natürlich den gezeigten Leistungen) scheint dieser Weg vorgezeichnet.
Autor: Reinhard Bertels
Foto: Olaf Kerber


